Tag 16 bis 20
Aus CaiaWiki
Inhaltsverzeichnis |
Aus - Namib Naukluft Park - Sesriem - Sossusvlei - 335km
Nach nur fünf Stunden Schlaf sind wir bereits wieder auf den Beinen, um den grandiosen Sonnenaufgang in unserer Traumlodge zu genießen. Wir blicken über das ganze Tal in die unendliche Weite und beobachten wie die Sonne es langsam Stück für Stück in ihren Besitz nimmt. Das zartsilbrige Gelb des Grases, die Hügelketten und der blaue Himmel beginnen im Morgenlicht zu strahlen. Es ist unbeschreiblich schön. Wir frühstücken auf unserer Bergterrasse und genießen den Blick. Viele Vögel besuchen uns neugierig. Ein Hase hoppelt um das Haus und sowohl eine Schwanz- als auch eine Rüsselmaus leisten uns Gesellschaft. Nach einigen Tagen erfahren wir, dass die kleine, süße Maus nicht Rüsselmaus, sondern Elefantenmaus heißt, was ebenfalls sehr gut zu ihr passt. Später kommen noch Eidechsen aus den Felsen hervorgekrochen und liegen in der Sonne. Wir füttern mit Keksen und Käse und können die Tiere noch näher beobachten. Dabei vergessen wir, dass wir selbst noch frühstücken sollten. Doch zu spät. Die Vögel haben das Frühstück bereits in Besitz genommen und sitzen auf unseren Tellern. Ganz schön frech - aber egal. Wir können uns kaum sattsehen. Zwischen den hohen Felsen sitzend blicken wir in die Weite. Nachdem die Tiere unser Frühstück verspeisen, koche ich uns noch einen Tee in einer rustikalen Emaillekanne auf dem Gasherd. Ein Idyll - ein Traum. Einfach fantastisch. Immer wieder huscht eine kleine Maus durch unser Zimmer. Im offenen Kamin haben wir wieder das Feuer entfacht. In der Ferne erkennt man im zarten Gelb eine schwarze Schlange - das Bahngleis nach Lüderitz. Die Landschaft ist weich, zart und unendlich still.....
Leider müssen wir weiter. Wir biegen auf die D 707 nach Westen ab. Diese pad führt zwischen den bergen der Randstufe auf der einen und der Namib auf der anderen Seite entlang und ist landschaftlich viel spektakulärer als der direkte Weg. Dafür kostete sie Zeit. Sie ist nicht geteert und obwohl regelmäßig Scrapper den Untergrund gerade hobeln, sind die Bodenwellen, das Wellblech, in manchen Passagen ganz schön heftig. Der Fahrer hat hier zwei Möglichkeiten: so langsam fahren, dass man jede Welle nacheinander nimmt – oder so schnell, dass man darüber hinwegfliegt. Hügel, gelbes Gras in rötlichem Sand, der bis ins Pink übergeht erzeugen das Gefühl, als ob die Landschaft schwebe. Wie im Land der Feen und Elfen wrden wir von zarten Pastelltönen verzaubert. Langsam verändert sich die Landschaft und wir haben den Eindruck wieder in der Realität zu landen. Nach langer Holperfahrt erreichen wir endlich ein Straßenschild - vor dem Kühe liegen - und ein Farmhaus. Die Zeit scheint hier stillzustehen. Immer wieder reihen sich Hügelketten an die nächsten; doch mischen sich so langsam auch höhere Bergketten dazwischen. Wir erreichen die Grenze zum Namib Naukluft Park und treffen wieder vermehrt auf Springböcke, Oryx und Strauße. Auch hier umgibt uns wieder ein Ozean der gelben Weite. Von Westen rücken die Dünen der Namib stetig näher an die Straße heran. Rosafarben sehen sie aus und im Osten bildet Rooirand mit den Tirasbergen immer neue bizarre Felsskulpturen aus dunklem Gestein. Als wir endlich die Einfahrt zum Sesriem Camp erreichen ist es früher Abend, zu spät für den Besuch der Dünen am Sossusvlei.
Für uns geht es zum Sossusvlei Campingplatz. Wir erhalten Platz Nummer acht. Doch tiefer Sand liegt zwischen uns und dem Platz. Ich meine zu wenig energisch, dass dies mit unserem Auto nicht geht. Doch da sind wir auch schon eingegraben. Wir schaufeln mit den Händen Sand unter die Räder und finden noch zwei Bretter zur Hilfe, die wir unter die Räder schieben. Es staubt und stiebt in alle Richtungen. Doch es hilft alles nichts. Von Kopf bis Fuß in Staub gepudert, muss uns dennoch ein 4x4 Auto herausziehen. Was uns jetzt erst so richtig bewusst wird: wäre uns so etwas in Botswana passiert, wir hätten alleine keine Chance gehabt das Auto wieder auf festen Grund zu bekommen. Leider werden wir in die falsche Richtung gezogen. Das heißt: wir müssen die Sandpiste morgen wieder durchqueren, um in die Wüste zu kommen. Wir entdecken noch einen zweiten Weg, den wir uns ansehen und stellen fest, dass er aus zwei kürzeren Tiefsandpassagen besteht. Dazwischen ist fester Boden. Wir beschließen, es mit viel Anlauf und Vollgas zu versuchen. Eines ist klar: graben wir uns morgen früh ein, wird uns niemand helfen, da alle in die Wüste wollen. Es muss also klappen.
Kurz vor Dunkelheit bauen wir das Zelt auf, machen ein schönes Feuer und genießen als Abendessen eine Flasche Rotwein und den gigantischen Wüstensternenhimmel. Hier in der Dunkelheit der Wüste scheint die Milchstraße noch ein Stückchen näher zu uns gerückt zu sein. Schaut man in den Himmel und sieht all die unbekannten Sternbilder, dann beschleicht einen das gefühl, man sei auf einem anderen Planeten. Ebenso ergeht es einem mit der Landschaft: sie ist von überirdischer Schönheit, die sprachlos macht. Erst spät in der Nach geht der Mond auf und taucht die Wüste in fahles Licht. Während wir die Natur genießen, werden wir von zwei Schakalen, die immer wieder am Feuer auftauchen und zu uns rübersehen, beobachtet. Was mich sehr positiv überrascht: es wird nicht kalt. Letztes Jahr war es mit beinahe 0°C eisig kalt und jetzt sitzen wir Stunden nach Sonnenuntergang immer noch im T-Shirt am Feuer und es ist angenehm warm. Als alles Holz verbrannt ist, schlafen wir warm und weich gebettet in unserem Regenschirmzelt. Nachts können wir die Tiere hören, wie sie neben dem Zelt stehen und fressen. Eine herrlich friedliche Nacht!
Sesriem - Petrified Dunes - 60km
Pünktlich um 5 Uhr piept unser Wecker. Zu unserer Freude ist es immer noch nicht wirklich kalt. Jetzt gilt es die beiden Tiefsandpassagen zu überwinden, dann steht der Sossusvlei nichts mehr im Wege. Wir fahren an den Tiefsand heran, begutachten den Pistenverlauf, nehmen sehr viel Schwung und mit Vollgas im zweiten Gang überwinden wir die Tiefsandpassagen. Es ist stockfinstere Nacht, als wir am nächsten Morgen das Gate zum Park passieren und durch die nächtlichen Dünen Richtung 4x4 Parkplatz sausen. Dann wird es überraschend schnell hell, ein gräuliches Licht liegt über verdorrten Akazien und den ersten nahen Dünen, deren Höhe einfach unglaublich ist. Nach einer knappen Stunde erreichen wir die Sossusvlei, umgeben von gigantischen Sandbauwerken. Die über den Horizont gestiegene Sonne taucht die Dünenflanken in ein warmes Orangerot.
Dieses Jahr wandern wir zuerst zur Deadvlei. Als wir ankommen, liegt sie noch wenig beeindruckend im Schatten. Doch die Sonne kommt unaufhaltsam. Die Szenerie ist noch schöner und faszinierender, weil wir jetzt sogar fünf Dimensionen haben: blauer Himmel, rote Dünen, schwarze Bäume, weiße Pfanne mit und ohne Schatten. Die Bäume wirken im Schatten noch schwarzer und gespenstischer. Es ist einfach wieder beeindruckend. Wir können uns von dieser Kullisse kaum losreißen. Wenn ich ein Foto gemacht habe, denke ich, es gibt noch eine viel bessere Perpsektive und jeder Baum hat viele Ansichten.... Nachdem unsere Fotoapparate glühen, beschließen wir zur Sossusvlei hinüberzuwandern. Wir durchqueren die Pfanne, an deren Rand viele Kameldornbäume wachsen. Es ist richtig heiß und ich bin froh, dass ein kräftiger Wind weht. Barfuß besteigen wir die etwa 200m hohe Düne, genauer, wir steigen zwei Schritte hinauf und einen zurück und versuchen am Kamm der höchsten Düne hinaufzuklettern. Oben stehen wir 200 Meter über dem Vlei und dem Meer aus Sandsternen, einem Labyrinth aus in der Sonne leuchtenden Dünenkämmen und schattenschwarzen Senken. Zu sehen und zu hören ist nichts außer dem Rieseln des Sandes, den der Wind in feinen Staubfahnen über die Wüste treibt. Die vorherrschenden Winde haben in der südlichen Namib Sterndünen angeweht, Gebilde, die aus der Luft aussehen wie Kraken. Vom zentralen Scheitelpunkt der Düne verlaufen mehrere Rücken in verschiedene Richtungen. Dazwischen liegen die Vleis, Salzpfannen, die nach starken Regenfällen von Flüssen aus dem Hochland gespeist werden und sich dann in Seen verwandeln.
Der Reiseschriftsteller Pierre Loti soll einmal gesagt haben: in der Wüste begreifen wir, dass wir eigentlich überhaupt nichts brauchen, weil alles schon da ist. An diesem Platz kann ich seine Aussage nachvollziehen. Die Namib, vor mehr als 50 Millionen Jahren entstanden, ist die älteste Wüste der Welt. Dafür hat sie sich großartig gehalten. Hier scheint uns die Erde noch unverstellt gegenüberzutreten, hier fühlt man sich auf nie gekannte Art zu Hause. Nach einer längeren Pause beginnen wir den Abstieg auf dem Kamm der Düne. Dadurch können wir immer noch das Umland von Oben betrachten. Doch dann entscheiden wir uns für den direkten Abstieg entlang der Dünenflanke. Es erinnert an eine schwarze Piste beim SKifahren. Fast senkrecht abfallend waten wir durch den tiefen, warmen Sand. Immer wieder werden wir von Nebeltrinkerkäfern überholt, die eigentlich nur in unseren Schatten flüchten wollen. Der Nebeltrinkerkäfer ist eines der vielen Tiere, der trotz großer Trockenheit in der Namib leben kann. Dies liegt daran, dass es sich bei der Namib um eine Nebelwüste handelt und der Nebeltrinkerkäfer sich den morgendlichen Nebel mit seinem Rüssel einfängt. Viel zu schnell erreichen wir die Pfanne. Wäre der Aufstieg nur auch so schnell zu bewältigen gewesen... Durch die Pfanne des Tsauchab, die bei Regen mit Wasser gefüllt ist und bis zum Sesriem Canyon einen Fluss bildet, laufen wir zurück und sind froh, schnell ein Shuttle zu finden, das uns zum Auto und zu kühlen Getränken fährt. Zurück am Zeltplatz gönnen wir uns noch eine kühle Erfrischung, bevor wir unser Staubzelt in unser sandgespicktes Auto packen. Das bedeutet aber auch, dass wir noch zweimal die Tiefsandpassagen überwinden müssen. Aber wir haben ja bereits Übung. Wir beschließen, nicht mehr zum Sesriem Canyon zu fahren, sondern beginnen unsere Fahrt auf katastrophaler Piste zur Namib Desert Lodge. Nach fürchterlichem Geruckel erreichen wir sie rechtzeitig zur Sundowner Fahrt. Diese führt uns durch eine traumhafte Dünenlandschaft, im Hintergrund die versteinerten Dünen. Die Fahrt bringt uns zu einem für uns wunderschönen Platz Namibias. Der Blick geht in die Ebene mit gelbem Gras, einer Reihe Bäume und zwei dahinterliegenden Bergketten. Das ist für mich AFRIKA! So muss es sein. Ein Traum. Immer wieder begegnen wir Springböcken und Oryx. Auch entlang der versteinerten Dünen geht unsere Fahrt. Kurz vor Sonnenuntergang erklimmen wir eine besonders hohe Düne. Am Kamm angekommen, geht es so steil hinunter, dass man das Gefühl hat, vornüber ins Nichts zu stürzen. Aber das Nichts ist kein Nichts, sondern noch einmal diese wunderschöne Aussicht von vorhin. Das ist einmalig....
Nach einem schönen Abendessen kommen wir wieder in den Genuss von singendem Personal. Diese Stimmen... Das ist immer wieder richtig schön.
Petrified Dunes - Solitaire - Rostock Ritz Berge - 80km
Wir machen uns mit einem gewissen Grauen auf den Weg zu unserer Alptraum-Piste. Doch was ist passiert? Der Straßenschieber ist da. Die Strecke bis Solitaire ist glatt und wunderbar zu befahren. Welch ein Genuss. Das Auto atmet innerlich bestimmt noch mehr auf als wir. Zügig erreichen wir daher Solitaire. Heute ist es richtig heiß und sehr diesig. Die Luft steht - es geht kein Windhauch. In Solitaire angekommen, essen wir einen schönen Apfelkuchen und finden einige Bücher über die vergangene Zeit Deutsch-Südwest. Danach machen wir uns auf den Weg zur Rostock Ritz Desert Lodge. Die roten Dünen nähern sich mehr und mehr der Straße. Das Gelb des Grases vermischt sich mit dem Dünenrot. Etwa 45km von Solitaire entfernt, kommt die Abzweigung zur Lodge. Wir halten am Straßenrand an, um noch ein Foto dieser herrlichen Landschaft zu machen. Doch zu unserem Entsetzen ist der Sand tiefer, als wir erwartet hatten. Wir stecken wieder fest. Doch mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl manövrieren wir uns dieses Mal selbst wieder aus dem Sand. Nach weiteren 7km erreichen wir die Lodge, werden mit einem kühlen Saft begrüßt und zu unserem Zimmer gebracht. Der Blick geht einerseits in die Weite, gleichzeitig aber auch auf das Wasserloch und die Rotstock-Berge. Als wir das Zimmer betreten, trinken gerade fünf Strauße am Wasserloch. Später liegen wir am Pool und genießen bei Gin Tonic und Amarula den Blick über die Weite: eine gelbe Grasebene mit sanften Hügeln im Hintergrund. Auch die Strauße kreuzen nach einiger Zeit die Bildfläche. Offenbar haben sie für heute genug getrunken. Zu meiner Freude kommt Wind auf und die Sicht wird wieder klarer. Es ist schön den Windhosen zuzusehen, wenn sie sich durch die Ebene drehen. Es ist unglaublich still. So könnte ich ewig liegen und einfach nur schauen. Es ist schon verrückt: man schaut über den spiegelnden Pool in die Trockenheit der Wüste; dem Übergang von der Sand- in die Steinwüste. Die Sundowner Tour führt uns über das 12.000 Hektar große Farmland. Wir sehen Erdmännchen und Zebras. Immer wieder eröffnen sich tolle Panoramen. Beim Sonnenuntergang sehen wir erstmals den Erdschatten, wie er sich bläulich am Horizont hochschiebt.
Flug über Namib Wüste
Nachdem wir ausgeschlafen haben, genießen wir ein schönes Frühstück. Auf dem Weg in unser Zimmer werden wir von einem Erdmännchen begleitet. Es hat ganz weiches Fell und sucht nach den Streicheleinheiten immer wieder unseren Schatten. Es kommt sogar mit in unser Chalet. Ein sehr neugieriges kleines Tierchen. Es untersucht das gesamte Zimmer, spielt mit unseren Schuhen, untersucht die Reisetasche und verschwindet fast ganz in ihr. Bestimmt zwei Stunden verbringen wir spielend und beobachtend mit diesem kleinen Tier. Vor unserer Tür findet es unter einem Stein einen Nebeltrinkerkäfer. Offenbar sein Leibgericht. Es knirscht und knackt, als ob jemand Chips essen würde. Für einen Moment schauen noch die Beine aus dem Maul, dann ist jede Spur von dem Käfer verschwunden. Für uns ist es toll, dies zu beobachten. Der Käfer denkt da sicherlich anders. Nachdem sich unser kleiner Gast satt und zufrieden verkrümelt hat, liegen wir wieder am Pool und genießen den wunderschönen Blick. Der Wind bläst sehr stark. Dadurch ist die Hitze erträglicher und die Sicht wieder viel klarer geworden. Außerdem rückt unser Ausflugszeitpunkt langsam näher. Im offenen Wagen werden wir zum Airstrip gebracht. Und da kommt der Flieger auch schon. Nach einer schönen Landung geht es vom Rostock International Airport los. Ich bin völlig fasziniert. So schön hatte ich mir die Farben nicht vorgestellt. Das ist ein Traum. Rasch erreichen wir die roten Namib Dünen und sehen die geteerte Straße zum 4x4 Parkplatz der Sossusvlei. Via Düne 45 gelangen wir zur Deadvlei und Sossusvlei Pan. Von jetzt an gibt es nur noch ein einziges Dünenmeer soweit das Auge reicht. Zunächst sind alle Dünen noch leicht begrünt. Doch sowohl das Grün als auch das Rot der Dünen verschwinden und weicht beigen Dünen. Düne reiht sich an Düne - alle mit klar gezeichnetem Dünenkamm. Doch allmählich werden sie flacher. Die verlassenen Diamantencamps erscheinen unter uns. Ruinen - Zeugen vergangener Zeiten und großen Hoffnungen und Träumen. Traurig... Kurz darauf treffen Sand- und Wasserwüste aufeinander. Gleisendes Licht und gleichtzeitiger Nebel erwarten uns. Der gräuliche Ozean trifft auf die beige Wüste - ein kaum zu erkennender Farbübergang. Plötzlich taucht unter uns die gestrandete Eduard Bohlen auf, die zur Deutschen Ost Afrika Linie gehörte. Wir umfliegen sie sehr eng. Ich habe das Gefühl, dass meim Kopf jeden Moment platzt. Kräftige Wellen branden an Land. Viele große Seerobbenkolonien liegen am Strand und Vogelscharen kreisen unter uns. Der Atlantik schäumt und ist grün vor Algen. Bereits kurze Zeit später überfliegen wir Conception Bay und die gestrandete Shaunee. Viele, einige richtig große Walfischknochen liegen am Strand. Dann haben wir auch schon die lange Wand erreicht. Die Dünen sind hier so steil, dass man sie nicht besteigen kann. Diamantensucher sind damals bei Ebbe mit ihren Ochsenkarren am Strand auf Diamantensuche gewesen. Als die Flut kam, konnten sie sich nicht retten, da die "lange Wand" so steil ist und sind alle ertrunken. Wir drehen ab und fliegen wieder ins Landesinnere. Der Kuiseb Pass liegt unter uns. Im Canyon ist es feucht. Kräftiges Grün leuchtet zu uns hinauf. Die Grenze ist scharf geschnitten: rote, hohe Dünen - der Canyon als Grenzlinie - graue, flache Steinwüste. Dass sich Landschaften auf so wenigen Metern so radikal verändern können... Kameldornbäume wachsen im Flusslauf, der von schroffen lebensfeindlichen Felsen umrahmt werden. Das sind Kontraste! Ganz plötzlich erscheint wieder die sanfte, rotgelbe Landschaft mit den zartgrünen Hügelketten unter uns. In der Ferne liegt bereits die Lodge in den Rotstockbergen. Eine solche Farben und Landschaftsvielfalt hatte ich nicht erwartet. Den Flug mit Bush-Bird, erreichbar unter bushbird@iway.na kann ich unbedingt empfehlen. Flüge sind natürlich auch mit vielen anderen Anbietern von Swakopmund aus möglich. Wir wollen dieses Erlebnis noch toppen, in dem wir direkt von der Rostock Ritz Desert Lodge in der Wüste starten.
Rostock Ritz Berge - Kuiseb Pass Walvis Bay - Swakopmund - 225km
Wehmütig verlassen wir das Rostock Ritz. Die Piste ist mal besser mal schlechter und führt uns zunächst in den Gaub Pass. Recht steil und kurvenreich geht es ins Flussbett und danach wieder hinauf. Die letzten Köcherbäume wachsen in dieser Gegend, bevor nur noch die schwarze Steinwüste des Kuiseb Passes folgt. Teilweise ist die Piste so steil, dass sie an einigen Stellen asphaltiert wurde. Dann erklimmen wir eine letzte Kuppe und schlagartig ist alles vorbei. Der Blick geht wieder in die weite Ebene, durch die sich eine Baumkette zieht und das bräunliche Gras wieder gelblich wird. Leider weicht das zartgelbe Gras rasch einem grauen und verschwindet schließlich ganz. Es gibt sicherliche reizvollere Strecken als vom Kuiseb nach Swakopmund. Die Namib ist hier trostlos, bretteben und grau. Und dennoch gibt es hier seltene endemische Pflanzen und bizarre Landschaften. Dieser Art von Wüste glänzt nicht spektakulär, sondern fordert vom Betrachter Geduld und einen scharfen Blick fürs Detail: beispielsweise das feine Gespinst vertrockneter Pflanzen am Straßenrand, die sich, wenn man sie mit Wasser benetzt grün verfärben und aufleben. Andere Pflanzen nehmen die Nebelfeuchtigkeit auf, die vom Atlantik landeinwärts in die Namib zieht.
Vorbei geht es am Vogelfederberg, einem etwa 60m hohen Inselberg. Umgeben von grauer, flacher Wüste fahren wir, bis kurz vor Walvis Bay die Dünen beginnen. Kräftiger Wind erwartet uns, fegt den Sand über die Straße und taucht alles in ein difuses Licht. Die Gegend ist schemenhaft verschwommen und wir können leider die schönen Dünen zwischen Walvis Bay und Swakopmund kaum erkennen. Nach den heißen (35-40°C) letzten Tagen ist es heute richtig kalt (18°C). Auf direktem Weg fahren wir zur Beachlodge und genießen erst einmal den Blick aus unserem bodentiefen, runden Fenster auf den Atlantik. Nachdem wir lesend eine Stunde die Sonne genossen haben, fahren wir nach Swakopmund zum Bummeln. Sand und Wind lassen daraus leider kein Vergnügen werden. Dennoch empfängt uns Swakopmund ganz nostalgisch mit Schnörkeln, Pastellfarben und kaiserlichem Gelb am wilhelminischen Postamt. Etagenbäume wiegen sich im Wind über den niedrigen Bungalows der wohlhabenden Viertel am Stadtrand und der rot-weiß-gestreifte Leuchtturm verbreitet Ostseestimmung. Vom Einfallstor für Siedler und Handelswaren nach Deutsch Südwestafrika, vom gänzlich untauglichen Hafen für die Linienschiffe von Woermann hat sich Swakopmund zu einem schmucken Seebad gewandelt, fest in deutscher Hand. Der so häufig aus der Namib einfallende Nebel, der Stadt und Umgebung in eine deprimierende graue Suppe hüllt, scheint sie nicht zu stören. Meist löst er sich ja auch gegen Mittag wieder auf.
Swakopmund
Nach einer langen erholsamen Nacht machen wir einen ausgedehnten Strandspaziergang. Es ist kalt und sonnig, hat aber dafür keinen Morgennebel. Danach ist zuerst unser Auto an der Reihe. Von Außen wurde es bereits in der Lodge gewaschen. Jetzt geht es dem Sand im Inneren an den Kragen. Normalerweise gibt man hier sein Auto ab und erledigt seine Geschäfte in der Stadt. Wir schauen zu, wie sich unser Sandkasten wieder in ein Auto verwandelt. Bald eine Stunde ist unser Auto in der Reinigung. Leider wird dieser Zustand nicht von langer Dauer sein. Amer einen Versuch ist es wert. Heute macht der Stadtbummel wesentlich mehr Spaß, da einem nicht ständig der Sand in die Augen fliegt. Heute erstehe ich meine langersehnte Holzgiraffe. Mal sehen, ob der Transport klappt, oder ob wir zu Hause teures Brennholz aus dem Flieger holen. Nach einem geruhsamen Tag genießen wir noch einmal den Sonnenuntergang in der Lodge. Die Sonne verschwindet heute merkwürdigerweise eckig im Meer. Auch das soll es wohl geben... Nachdem unser schönes großes Feuer hinuntergebrannt ist, beschließen wir noch im Internet surfen zu gehen. Leider ist dies heute nicht mehr möglich und so unterhalten wir uns mit dem Nachtportier. Er verkauft kleine Lederschuhe als Schlüsselanhänger, um sein Gehalt etwas aufzubessern. Er erzählt uns, dass seine Söhne auf die Highschool gehen, die etwa 600 N$ plus 270 N$ für die Unterkunft im Internat pro Kind kostet. Er sitzt auf einem harten Plastikstuhl und als wir meinen, er solle doch auf die weiche Couch sitzen, erfahren wir, dass die weiße Chefin es nicht erlaube, dass er als Schwarzer dort sitze. Er erzählt, dass er gerne richtige Schuhe machen würde, doch als Schwarzer dafür kein Startkapital von der Bank bekomme. In diesem Zuge erfahren wir auch, dass die Schwarzen gar nicht als Gruppe gegen die Weißen zusammenhalten. Jeder Stamm denkt nur für sich. So hilft auch eine Schwarze Regierung nur den Stämmen, zu denen auch der Präsident gehört. Alle anderen haben keinerlei Vorteile. Manche Benachteiligungen der Schwarzen sind nicht schön anzusehen. Vor allen Dingen, wenn man sehr höflich und zuvorkommend bedient wird und der Weiße beim Abräumen sagt: Die Pommes mag ich nicht. Die sind für dich. Der Schwarze lächelt freundlich dazu. Was soll man da noch sagen...
| Zurück zum Start | Zurück zu Tag 11 - 15 | Zu Tag 21 - 25 |

