Tag 1 bis 5
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Windhoek - Richtung Ghanzi
Unsere mehr als 8000km lange Reise nach Namibia beginnt am 3. August 2007. Da wir Rail und Fly gebucht haben, kämpfen wir uns mit viel Gepäck mit Bus und S-Bahn zum Bahnhof, um dann mit einem wie immer verspäteten Bummelzug nach München zu fahren. Nach bereits 5 Stunden Reise können wir endlich einchecken.
Aber auch jetzt wird der Reiseverlauf nicht reibungslos. Unser Flugzeug hebt erst 45 Minuten später ab als geplant und der Bordservice entpuppt sich als mittlere Katastrophe. Nach einer endlosen Nacht kommen wir gerädert in Windhoek an. Nach Erledigung der üblichen Einreiseformalitäten müssen wir wegen unseres Zelts zur Zollkontrolle. Dort werden wir entgegen der namibischen Art ziemlich unfreundlich abgefertigt.
Dafür werden wir bereits von Asco Car Hire erwartet. Doch leider müssen wir uns auch hier noch eine Weile gedulden, da wir nicht die einzigen Kunden aus dem Flugzeug München - Windhoek sind. Endlich kann ich die vertraute, weite Landschaft während der Fahrt nach Windhoek genießen. Nach endlosem Papierkram - nicht nur die Deutschen sind gut darin - beginnt die Einweisung in unser Auto. Nachdem wir wissen, wo sich die Campingutensilien befinden und wie das Zelt auf- und abgebaut wird, fällt die Einweisung in das Fahren mit 4x4 erschreckend kurz aus. Wir werden das wohl selbst im Lauf der Zeit lernen...
Jetzt brauchen wir noch Bares - denn nur das ist hier Wahres. Anders als letztes Jahr parken wir ohne Angst das Auto in der Stadt und gehen gemeinsam los. In der Bank wird keine unserer Karten akzeptiert. Letztes Jahr ging das doch auch - allerdings am Automat. Nachdem Geld aus dem Automaten zu bekommen ist, müssen wir es nur noch in Rand - Pula gibt es keine - umtauschen. Nach dieser Währungskugelfuhr müssen wir nur noch unseren Lebensmittelvorrat für die Wildnis besorgen. Hier klappt alles reibungslos und nach einem Burger bei Wimpi verlassen wir kurz nach 13 Uhr die Stadt.
Ausgestattet mit einem Geländewagen sowie einem Vorrat an Wasser, Benzin und Lebensmitteln fahren wir über den gut ausgebauten Trans-Kalahari-Highway nach Gobabis - vorbei an deutschen Ortsschildern wie "Steinhausen", baumlosen Hügelketten und endloser Dornbuschsteppe mitten in die Kalahari. Die Gegensätze während der Fahrt sind extrem: In wenigen Stunden vertauscht man die Eindrücke der modernen Stadt Windhoek gegen die Tristesse einer Kalahari-Siedlung. Einzige Abwechslung auf dieser öden Strecke sind Warzenschweine, Perlhühner, Steinböcke und Strauße. Dornbüsche und Gräser, Savanne bis zum Horizont, flirrend heiße Weite wohin das Auge blickt. Steine, Sand und gelblich bepelzte, schattenlose Ebene umgibt uns. Wir blicken von einer der wenigen Anhöhen in die Unendlichkeit der Kalahari. Staunend betrachten wir Blutfrucht- und Mopanebäume, mannshohes Pfeilgras, bauschiges Degengras, sandbraune Termitenhügel und Akazienbäume. Und dies in einer Wüste?
Nach langer Fahrt erreichen wir nach 16 Uhr die Grenze Botswanas.Die Formalitäten sind schneller erledigt als erwartet. Ausreisepapiere ausfüllen - Einreisepapiere ausfüllen - Permitt für das Auto - und weiter geht es. An einer Tankstelle tauschen wir zu schlechtem Kurs einige Rand in Pula. Mittlerweile ist klar, dass wir unsere Übernachtungsmöglichkeit im Thakadu Buschcamp in Ghanzi heute nicht mehr erreichen werden. Wir sind in menschenleerer, unberührter Gegend und da erscheint uns Adventure Camping absolut passend. Doch leider ist das Land links und rechts der Straße eingezäunt. Kurz vor Dunkelheit entdecken wir eine offene Stelle und finden einen schönen Platz für unsere erste Nacht in Afrika. In der Dämmerung bauen wir das Zelt auf, richten uns ein und essen im Dunkeln zu Abend. Ein herrlicher Sternenhimmel strahlt über uns und lässt uns die Anreisestrapazen vergessen. Wir sind angekommen.
Adventure Camping - Ghanzi - Maun
Nach einer wunderbaren Nacht wachen wir nach elf Stunden Schlaf gegen 6.30Uhr auf. Ein schöner Morgen erwartet uns - etwa 3°C warm. Aber die Sonne wärmt schnell und so frühstücken wir nach kurzer Zeit das erste Mal auf afrikanischem Boden. Gegen 9 Uhr brechen wir schließlich Richtung Maun auf. Die Landschaft verändert sich immer wieder: das Gras verschwindet gänzlich und aus Büschen werden Bäume. Immer häufiger fahren wir durch Dörfer der Schwarzen. Die Lehmhütten sind schöner und ordentlicher als in Südafrika. Sie durchziehen nicht das ganze Land entlang der Straße, sondern sind flächig strukturiert. Obwohl Ziegen, Schafe und Rinder das letzte Hälmchen Gras suchen, sehen sie wohlgenährt aus. Ansonsten entdecken wir vorwiegend kleine Vögel und Strauße auf unserer Fahrt. Es wird immer staubiger und trockener. Entlang der Strecke liegen häufig Knochen und Skelett-Teile im grauen Dreck. Ghanzi entpuppt sich als lose Hausansammlung; ebenso Maun. Von gewachsenen Orten kann keine Rede sein. Im Audi Camp in Maun buchen wir einen Stellplatz und ich bin froh, dass unsere Flugreservierung für den nächsten Tag steht. Nachdem das Zelt aufgebaut ist, gönnen wir uns eine schöne warme Dusche und fühlen uns wie neu geboren. Doch auch die Moskitos erfreuen sich an unserem angenehmen Geruch. Es erscheint uns notwendig Malaria Tabletten zu schlucken und hoffen auf gute Verträglichkeit. Den Sonnenuntergang genießen wir bei einem Glas Rotwein. Da wir irrtümlicherweise davon ausgegangen sind, einen Tisch für das Abendessen reserviert zu haben, sind wir froh, als wir im Barbereich einen schönen Tisch finden. Das Essen schmeckt sehr gut; vor allen Dingen das Kürbisgemüse hat es mir angetan. Und so findet ein langer Tag einen harmonischen Abschluss.
Rundflug Okavango Delta - Moremi Game Reserve
Zeitig brechen wir auf, frühstücken noch einen leckeren Fruchtsalat in Flughafennähe und gehen um 8 Uhr zu unserer Fluggesellschaft. Kurz darauf sitzen wir in einem alten Dreisitzer und fliegen über das Okavangodelta. Fasziniert entdecken wir eine für uns neue Welt, die noch von wilden Tieren beherrscht wird. Unter uns erscheinen kleine palmenbewachsene Inseln durchzogen von Wasser und gelben und grünen Grasflächen. Überall sind Wasserwege, zwischendrin aber auch deutlich die Pisten der Autos zu erkennen. Der alte Flieger ruckelt und zuckelt furchterregend. Endlich sehen wir die erste Herde Elefanten im Okavango, eine große Herde Büffel und einige Zebras, Springböcke sowie einen Strauß. Es gibt dieses Jahr sehr viel Wasser und die Tiere können sich problemlos überall aufhalten. Daher sind sie nicht so konzentriert zu sehen wie normal zu dieser Jahreszeit. Ein wenig enttäuscht wegen der fehlenden Herden erhalten wir dennoch einen ersten Eindruck von der Größe des Deltas. Im örtlichen Supermarkt gibt es nicht sehr viel zu kaufen, aber wir haben schon Märkte mit geringerer Auswahl gesehen. Offensichtlich zahlen wir mit einem zu großen Geldschein. Daher wandert unser Geld in eine verschließbare Tasche, wird zur "Geldverwalterin" gebracht und irgendwann erhalten wir das Rückgeld. Eine langwierige, im Nachhinein amüsante Prozedur. Wir verlassen Maun Richtung Shorobe und kommen auf die erste Piste. Kurz nach dem Buffalo Gate oder auch Veterinary Checkpoint kommt die ausgeschilderte Abzweigung zum Moremi. Wir fahren durch Buschland und Mopanewald. Tiere sehen wir aber außer zwei Giraffen und Vögeln leider keine. Für die Piste benötigen wir nur selten 4x4. Sie ist schön zu befahren und alles ist gut ausgeschildert. Am South Gate erfahren wir, dass alles vollständig ausgebucht ist - das wissen wir schon lange - und außerdem die North Bridge unpassierbar ist. Gleich zu Beginn wird also unsere geplante Route durcheinander gebracht. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: vielleicht ist die Brücke morgen wieder Instand gesetzt. Zunächst möchte ich ein Transitpermit bekommen und einfach im Park bleiben. Nach einigem Hin und Her dürfen wir aber offiziell am North Gate Campingplatz übernachten. Wir fahren durch den gut beschilderten Moremi ohne Tiere zu sehen und erkennen den Campingplatz zunächst nicht, weil kein Mensch dort ist. Soviel zum Thema ausgebucht. Wir machen noch eine kurze Pirschfahrt entlang des Khwai Loops, auf der wir einige Zebras, Antilopen, Warzenschweine und Gnus entdecken können. Zurück im Camp bauen wir das Zelt auf und sind bei Einbruch der Dunkelheit immerhin 5 Autos. Während das Chakalaka vor sich hin köchelt, beobachten wir die Affen um uns herum. Sie kommen immer näher, spielen und poppen um das Auto herum. Auch eine Herde Gnus ist in der Nähe und grast. Wir sitzen unter dem Zelt am Rand der Pfanne und lauschen den Geräuschen der Tiere in der Nacht. Die Ruhe ist unglaublich. Plötzlich trappelt es laut und die Gnuherde wird aufgescheucht. Wir starren in die Dunkelheit, sehen die leuchtenden Augen der Tiere und hören die verschiedenen Laute. Was ist, wenn ein Löwe in der Nähe ist? Wir beschließen ins Zelt zu steigen und liegen gegen 19.30 Uhr lauschend in den Schlafsäcken. Während der ganzen Nacht verfolgen wir die Tiere mit den Ohren. Nach und nach werden wir lernen, die verschiedenen Laute zu deuten und die Tiere zu unterscheiden. Um 5.30 Uhr werden wir von den Affen am Zelt geweckt. Die Sonne steigt als tieforange Kugel über dem Rand der Pfanne auf. Auch die Zebras und Gnus sind wieder da. Die Vögel begrüßen uns mit ihrem Gesang.
Moremi North Gate - Chobe Reserve Savuti
Da die sanitären Anlagen zwar absolut sehenswert, jedoch in erbärmlichem Zustand sind, ist die Morgentoilette rasch erledigt. Wir besichtigen die Brücke, in der Hoffnung, sie passieren zu können. Zuerst heißt es, sie sei am Nachmittag fertig - Freude kommt auf - dann heißt es am Freitag (das sind noch 3 Tage). Das bedeutet für uns: wir fahren alles wieder zurück und starten unseren etwa 130km großen Umweg. Das heißt viel verlorene Zeit, viele Nerven auf schlechter Piste und der Verbrauch von Benzinmengen, der so nicht vorgesehen war. Als wir nach Stunden endlich Mababe Village erreichen ist plötzlich Schluss. Ein gefluteter Abzweig des Okavango versperrt den Weg, ein Auto ist schon Schwimmen gegangen und wird herausgezogen. Zum Glück ist der Umweg klein und wir sehen einige Giraffen und Zebras. Endlich erreichen wir Mababe Gate und buchen Transit für den Chobe. Unser Ziel ist aber der Campingplatz Savuti. Der Weg ist endlos und die Sandpiste schlecht. Hier kommt unser 4x4 erstmals richtig zum Einsatz. Wir holpern und ruckeln langsam durch tiefen Sand. Doch in Savuti ist die Überraschung groß: die Einfahrt wird von Rangern kontrolliert. Ich erzähle dem Ranger, dass wir trotz Transit-Schein übernachten dürfen und er lässt sich darauf ein. Der anscheinend völlig überfüllte Platz ist ziemlich leer. Dennoch müssen wir auf den Overflow Platz, auf dem gerade ein Elefant frisst.
Chobe Reserve Savuti - Kasane
Am nächsten Morgen werden wir vom fröhlichen Gegacker der Perlhühner zu einem schönen Sonnenaufgang geweckt. Während unseres Frühstücks kommen die neugierigen Vögel sehr nahe heran. Doch das Glück ist uns im Moment nicht hold: am Wasserloch sind keine Tiere. Alle Welt schwärmt vom Tierreichtum Botswanas und wir fahren nun den dritten Tag durch die wildreichsten Gegenden und haben nichts gesehen. Wir beschließen, die kleinen Pisten rings um Savuti zu befahren und sehen einige Elefanten, Zebras und Giraffen. Leider sind die Tiere sehr scheu. Die Pisten sind schmal und tiefsandig. Aber unser Auto fährt ohne Probleme durch Berg und Tal im tiefen Sand. Als wir irgendwann beschließen umzukehren, benützen wir das erste und einzige Mal zur Kontrolle das GPS. Da man sich aber an markanten Tafelbergen gut orientieren kann, ist GPS selbst hier nicht unbedingt notwendig. Nachdem wir wieder am Wasserloch Savutis angekommen sind, können wir einige Elefanten beim Baden beobachten. Auch Kudus und Springböcke sind zum Trinken gekommen. Es ist das erste Mal, dass wir die Tiere ungestört über längere Zeit beobachten können. Eine seltsame bedrückende Stimmung herrscht hier. Ein kräftiger Wind bläst den Sand in kleinen Wirbelstürmen über die karge Landschaft.
Die Piste Richtung Goha Gate ist sehr tiefsandig und schlecht. Das Auto schwimmt und ruckelt sich Meter für Meter vorwärts. In Kilometern rechnen wir schon lange nicht mehr. Im Kampf gegen den Sand und das Steckenbleiben werden wir unermüdlich durchgeschüttelt. Doch unser Auto hält sich tapfer und schließlich erreichen wir Goha Gate. Leider haben wir uns zu früh gefreut, denn im Chobe Forest wird die Piste noch schlimmer. Erst nach 40km kommt die Erlösung für unsere Auto und uns. Das Fahrtempo schwankt zwischen 15 und 65 km/h. Am Abend erwartet uns am Ngoma Gate eine böse Überraschung: den Campingplatz gibt es nicht mehr und die umliegenden Lodgen sind anscheinend alle ausgebucht. Wunderschön liegt der Chobe vor uns. Ein grünes Band schlängelt sich durch die Trockenheit. Eine Ruhe.... Müde und erledigt wird und klar, dass wir noch 60km bis Kasane weiterfahren müssen. Zum Glück gibt es eine geteerte Straße, auf der die Kilometer nur so an uns vorbeifliegen. Die Suche nach einem Campingplatz gestaltet sich auch hier schwierig. Der Chobe Safari Campingplatz wird gerade umgebaut und in Kubu Lodge ist alles voll. Aber alle guten Dinge sind drei. Auf dem dritten und letzten Platz - Toros Lodge - gibt es noch eine Wiese neben den offiziellen Plätzen und dort bleiben wir ganz einfach. Unsere Sehnsucht nach einem geruhsam Tagesausklang soll sich immer noch nicht erfüllen: unser Kocher ist mit Staub verstopft. Somit gibt es nicht einmal ein Abendessen geschweigedenn morgen früh einen Tee. Unser 4x4 ist überhaupt nicht staubdicht. Die Taschen, das Essen, die Campingutensilien werden jeden Tag mit einer zentimeterdicken Staubschicht überzogen. Zu allem Überfluss hat der Wassertank auch noch ein Leck. So kommt man in absoluter Wildniss nicht sehr weit.
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